Vermischtes, Topmeldung
Trainieren im Bilderbuchwinter: Eine Glosse von Thomas Hartmann
19.02.2012, 08:10Der ehemalige Europameister und Ex-Straßenprofi konnte im vergangenen Jahr 25 Siege in der Masterklasse einfahren. Der Deisenhofener XC-Spezialist schildert, wie sich daheim trainierende Radsportler auf die Saison vorbereiten – die Zufuhr warmer Getränke beim Lesen dieser Zeilen wird empfohlen ...
Knirsch, knirsch, knirsch ... machen meine morgendlichen Schritte hin zum Bäcker, das Thermometer ist bei -21°C eingefroren. Der Diesel ist es um ein Haar auch, doch dann tuckere ich mit meinem treuen Hobel die 45 km zur Loipe. In dieser Zeit schafft es die Heizung nicht, im Innenraum Wärme, die diesen Namen verdient, aufkommen zu lassen. Eisblumen verzieren die Scheiben, die Wischanlage ist eingefroren, und die Scheibenwischer umgibt eine dicke Schicht blauen Wischwassereises.
Knirsch, knirsch, knirsch ... machen die Autoreifen auf dem schneebedeckten, menschenleeren Parkplatz. Ich bin allein, es herrschen -18°C, die Natur ist tiefgefroren, kein Laut ist zu hören. Gesichtsmaske reicht nicht, mit Kinesiotape wird die noch freiliegende Hackfresse mit klammen Fingern abgeklebt. Auch bei der Bekleidung darf es etwas mehr sein, die allerwärmsten Handschuhe sind Pflicht.
Knirsch, knirsch, knirsch ... machen die Stöcke im wahrscheinlich -30°C kalten Schnee. Die Gleitphasen sind kurz, der Schnee ist stumpf und kräftezehrend. Ich achte auf eine saubere Technik, mehr als Grundlagenintensität brennt sofort in der Lunge. Die Sonne wabert durch die Kältenebel, riesige Eiskristalle glitzern in der verschneiten Landschaft, die Berge haben weiche Konturen, wirken erhaben, geduldig, mächtig ...
Knirsch, knirsch, knirsch ... die Batterie meines MP3-Players ist der Kälte schon seit langem nicht mehr gewachsen. Der aggressive Schnee hat auch das letzte Wachs aus den Belagsporen weggehobelt, der Ski läßt deutlich nach. In der dritten Belastungsstunde stelle ich fest, daß einige Kilos der gestrigen Doppeltonnage im Krafttraining schlecht gewesen sein müssen. Der Rückenstrecker streikt, die Beine werden schwer, die Arme sind Matsch. Der eiskalte Gegenwind läßt die durchschwitzte Trikotage zu etwas Brettartigem erstarren. An meiner Gesichtsmaske hängen Eiszapfen. Nachlassen gilt nicht, ich halte das Tempo hoch.
Knirsch, knirsch, knirsch ... ich schleppe meine hohle Körperhülle von der Loipe zurück zum Auto. Irgendwie stehe ich neben mir, alles ist eingefroren, langsam, auf Minimalbetrieb.
Haibike eQ XDURO demonstriert Uphillfähigkeit
(27.04.12)38 Grad Steigung, 101 Meter Anlauflänge und ein 27 Meter hoher Sprungturm: Das sind die Fakten zur Skisprungschanze in Oberhof (Thüringen). Die...
mehr lesen